Barrierefreiheit im Gaming: Ein uneingelöstes Versprechen
Die Gaming-Industrie investiert zunehmend in inklusive Spiele. Aber ein entscheidendes Problem bleibt: Menschen mit Behinderung scheitern oft an digitalen Barrieren, bevor sie das eigentliche Spiel überhaupt erreichen.
Von Sonya am 17.07.2026 - 13:18 Uhr - Quelle: Gastartikel

Fakten

Hersteller

Gamezoom.net

Release

Anfang 2000

Produkt

Gaming-Zubehör

Webseite

Media (2)

Die Gaming-Industrie investiert zunehmend in inklusive Spiele. Aber ein entscheidendes Problem bleibt: Menschen mit Behinderung scheitern oft an digitalen Barrieren, bevor sie das eigentliche Spiel überhaupt erreichen.
Von Alessandro Albano und Davide Nuvoletta
Wer an Barrierefreiheit im Gaming denkt, denkt oft an das Spiel selbst. Doch viele Menschen mit Behinderung scheitern schon davor – am Login, an der Installation und an CAPTCHAs. Selbst wenn ein Spiel barrierefrei ist, können die digitalen Barrieren davor ein Spaßverderber sein. Das ist kein Randthema: Laut der Organisation UK Interactive Entertainment sind weltweit rund 250 Mio. Gamer sehbehindert oder blind. In Österreich haben laut Statistik Austria rund 25 % der Menschen trotz Sehhilfen Probleme beim Sehen. Rund 16 % haben trotz Hörhilfen auch in ruhigeren Räumen Probleme beim Hören. Viele Behinderungen schränken auch beim Spielen ein, insbesondere natürlich visuelle.

Die häufigsten digitalen Barrieren im Gaming-Bereich


Auf Gaming-Websites stellen Formulare eines der größten Hindernisse für blinde Menschen dar. Für Menschen mit schwacher Sehkraft kann ein fehlender farblicher Kontrast problematisch sein. Komplexer Text oder verwirrende Benutzeroberflächen können für gehörlose Menschen oder Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen eine Hürde sein.
Grundsätzlich gilt: Je einfacher die Dinge sind, desto mehr Menschen können sie nutzen. Als Faustregel kann man sich merken, dass jede Information über mindestens zwei sensorische Kanäle vermittelt werden sollte.

Gaming-Websites im Accessiway-Check


Als führender europäischer Anbieter im Bereich der digitalen Barrierefreiheit beschäftigen wir uns bei Accessiway tagtäglich mit digitalen Barrieren in den verschiedensten Branchen. Um das Problem im Gaming-Bereich anschaulich darzustellen, haben wir uns vier wichtige Gaming-Plattformen hinsichtlich ihrer digitalen Barrierefreiheit angeschaut: Steam, Epic Games/Fortnite, PlayStation Store/PSN und Roblox.
Während man auf Steam die Sprache nicht allein mit der Tastatur ändern kann, verfügt die Website von Epic Games/Fortnite über einen Skip-Link, der es Tastaturnutzer:innen ermöglicht, schneller direkt zum Inhalt zu gelangen. Bei der Registrierung wird das Bild „Hast du diese Spiele gespielt?“ angezeigt, doch der Alt-Text gibt leider nicht an, um welche Spiele es sich handelt, sondern lautet lediglich „Epic Games“. Die Registrierung im PlayStation Store/PSN ist sehr barrierefrei, aber die Schaltflächen zum Fortfahren sind gedimmt und Fehlermeldungen werden Screenreader-Nutzern nicht korrekt ausgespielt, sodass unklar ist, warum es nicht weitergeht. Bei Roblox muss bei der Registrierung das Geschlecht angegeben werden, doch blinde Nutzer:innen können nicht erkennen, ob sie ein männliches oder ein weibliches Symbol ausgewählt haben. Die genannten Barrieren zu beheben, ist keine technische Mammutaufgabe. Im Gegenteil: Jede dieser Barrieren kann im Rahmen eines professionellen Barrierefreiheits-Audits leicht behoben werden. Die Frage ist daher: Warum existieren sie noch immer? Warum löst die Gaming-Industrie ihr Versprechen nicht ein, die Gaming-Experience barrierefrei zu gestalten?

Die Gaming-Industrie soll ihre Werte leben


Eigentlich müssten alle B2C-Websites in Europa barrierefrei sein. Das ist so im European Accessibility Act (EAA) festgeschrieben, der im Jahr 2025 in Österreich als Barrierefreiheitsgesetz in Kraft getreten ist. Das betrifft insbesondere E-Commerce-Websites und damit auch die meisten Gaming-Plattformen.
Trotz des gesetzlichen Drucks sind viele Gaming-Websites nicht barrierefrei. Das ist nicht nur illegal, sondern widerspricht auch den Werten, für die die Gaming-Community steht. Gaming ist von Grund auf etwas Inklusives. Egal, wer man ist, wie man aussieht oder in welchem Land man sich befindet – Gaming bringt Menschen aus allen Lebenslagen zusammen. In einer Welt, in der wir uns zunehmend in Echokammern befinden, brauchen wir genau das. Da wäre es nur fair, wenn auch wirklich alle Menschen die Chance haben, Teil der Gaming-Community zu werden. Und dafür brauchen wir digitale Barrierefreiheit.
Über die Autoren
Alessandro Albano, Spezialist für Screenreader bei Accessiway, ist seit 25 Jahren als Softwareentwickler tätig. Er hat eine Sehbehinderung.
Davide Nuvoletta, Leiter des Bereichs Barrierefreiheit sowie Forschung und Entwicklung bei Accessiway, ist begeisterter Online-Gamer.
Über Accessiway
Accessiway ist der führende europäische Anbieter im Bereich der digitalen Barrierefreiheit. Das Unternehmen unterstützt Organisationen ganzheitlich dabei, ihre digitalen Angebote inklusiver, benutzerfreundlicher und gesetzeskonform zu gestalten. Ziel des Unternehmens ist es, Menschen mit Behinderungen einen besseren Zugang zum digitalen Raum zu ermöglichen. Accessiway expandierte 2022 nach Österreich und ist europaweit tätig. Heute arbeiten mehr als 100 Mitarbeiter:innen an vier Standorten und begleiten über 1.500 Unternehmen in Europa auf ihrem Weg zu mehr digitaler Barrierefreiheit.
Accessiway ist Teil von team.blue, einer der bedeutendsten europäischen Unternehmensgruppen im Bereich digitaler Services mit mehr als 3,3 Millionen aktiven Kund:innen in 22 Ländern.
Weitere Informationen unter: https://www.accessiway.com/de
Sonya Sonya verstärkt das Gamezoom-Team als Redakteurin und berichtet mit Leidenschaft über Games, Hardware und die neuesten Entwicklungen der Gaming-Welt.

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